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Kussverbot im Büro

Deutsche Knigge Gesellschaft spricht Machtwort zu Bussi-Bussi im Business

Nicht jeder mag es: Küsschen links, Küsschen rechts. Viele wissen nicht einmal, wie es richtig geht. Vielleicht links-rechts-links wie in Frank-reich? Darf man die Lippen spüren oder berühren sich nur die Wangen? Geschmatzt oder gehaucht?  Obwohl zur Zeit nicht unbedingt das dringlichste Problem auf unserem Planeten, beschäftigt das Begrüßungsküsschen doch erstaunlich viele Menschen. Und die möchten wissen, was wohl Knigge dazu sagt. Aufgrund der vielen Anfragen sah sich die Deutsche Knigge Gesellschaft nun veranlasst, Stellung zu beziehen.
 
Ab sofort gilt: Küssen verboten. Zumindest im Büro.

„Mediterranes Lebensgefühl“, schwärmt die Toskana-Fraktion, „zu nah, zu albern, zu undeutsch“, stöhnen die Konservativen. Bussi-Bussi spaltet die Nation. Auf der einen Seite die permanten Begrüßungs -Knutscher, die keine Gelegenheit zum Körperkontakt auslassen. Auf der Gegenseite die Zwangsbeschmatzten, denen die ständige Küsserei auf die Nerven geht, „Wir haben in Deutschland doch definierte soziale Distanzzonen. Die werden beim Bussi-Bussi eindeutig verletzt. Ich möchte nicht von jedem Mann geküsst werden. Es gibt Schwerenöter, die auf diese Weise Minimalerotik betreiben“, schrieb verzweifelt eine Dame an die Deutsche Knigge Gesellschaft. Und sie ist nicht die Einzige. Fast täglich erreichen den Vorsitzenden Dr.Hans-Michael Klein Klagen zum Thema „Bussi-Terror“. Er bildete daraufhin die „Arbeitsgruppe Bussi-Bussi“, die sich am vergangenen Wochenende zu einer Sondersitzung in Weissach bei Stuttgart traf. In leidenschaftlichen Diskussionen fanden die Experten den Kusskonsens: privat ja, im Büro dagegen ein „no-go“

„Wir mussten uns des Problems aufgrund der zahlreichen Hilferufe von Kussgeplagten annehmen“ so Klein, „und tatsächlich gibt es einige Widersprüche beim Busserln. Warum z.B. küssen fast ausschließlich Männer und Frauen? Warum nicht auch die Herren unter-einander? Ist da vielleicht doch eine erotische Komponente im Spiel?“

In der Kuss-Klausurtagung erörterten die Kniggologen, ob die knutschende Schickeria wirklich die „deutsche Leitkultur“ verrät, wie manche Kritiker unken. Anhand der bestehenden Kniggeregeln wurde der Fall geprüft. Man wurde fündig: “Im Business gilt als Begrüßungsritual der Handschlag. Die  zulässige Distanz dabei beträgt in Deutschland etwa 60cm oder eine Armlänge. Das ist eindeutig. Von Bussi-Bussi keine Spur“,  erläutert Uta Kilian, die Kussbeauftragte der Deutschen Knigge Gesellschaft. Das sei in anderen Kulturen anders. Dort gelten abweichende soziale Distanzzonen. Im Orient etwa kommen sich die Menschen weitaus näher. Als weiteres Beispiel nennt Kilian Südamerika. Dort werde man ständig von seinem Gesprächspartner berührt.  Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sogar bis zu 60 Mal pro Stunde. In den USA dagegen nur 10 Mal, in Deutschland überhaupt nicht. Kein Wunder also, dass bei uns viele Menschen Bussi-Bussi im Büro als Eingriff in ihre Intimsphäre empfinden. Privat sind die Deutschen da viel toleranter. Hier gelten auch bei uns orientalisch anmutende Mini-Distanzzonen. „Sonst hätte ja die Rentenversicherung mangels Nachwuchs gar keine Chance mehr“, schmunzelt der Vorsitzende Klein. Deshalb verkündet er das Ergebnis: Im Business hat Bussi-Bussi nicht zu suchen. Zu privat, zu intim, einfach unprofessionell.

Privat will Klein das Küssen natürlich nicht verbieten. Da ist jeder frei. Allerdings unter strengen Auflagen: wenn schon Begrüßungsküsschen, dann bei allen. Also Männer und Frauen, Frauen und Frauen und Männer und Männer. Dann kann niemand mehr  Bussi-Bussi vorwerfen, es berge verkappte Erotik à la „Sex des kleinen Mannes“. Auch die Frage, ob man rechts oder links beginne, ist endlich geklärt. Klein: „Der private Begrüßungskuss beginnt links und endet rechts. Wir haben sowieso einen Rechtsdrall. Das kommt von unserer Schreibkultur. Die geht auch von links nach rechts. Sogar  unsere Blickrichtung wird davon beeinflusst. Bilder betrachten wir ebenfalls von links nach rechts. Völker mit anderer Schreibrichtung beginnen den Blick rechts  oder von oben nach unten“

Dass die Deutsche Knigge Gesellschaft aber auch pragmatisch sein kann, zeigt ihr  geradezu salomonisches Lösungsangebot. Soll es doch jeder halten, wie er will. Wer gerne küsst, kann es jederzeit tun. Auch im Büro. Kleiner Haken: alle Beteiligten müssen explizit einverstanden sein. Küssen kann man ja bekanntlich nicht alleine. Wie man heraus findet, wer für`s Bussi empfangsbereit ist? Ganz einfach durch einen Aufsteller für den Schreibtisch. Den kann man kostenlos herunterladen und ausdrucken unter www.knigge-akademie.de. Es gibt ihn in zwei Varianten: „Bussi-Bussi nein danke“ und „Küss mich! Bussi-Bussi erlaubt“

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